06.09.2016 20:00 Alter: 3 yrs

50 Jahre Heimatverein Forchheim


Otto Werner (*21.01.1922), Jurist und Wirtschaftsförderer der Stadt Forchheim (zuletzt im Rang eines Oberstadtdirektors) stand von 1960 bis 1994, also 34 Jahre, an der Spitze des Heimatvereins. Unser Foto entstand 1965.

Ein dokumentarischer Rückblick auf die Gründungszeit 

Am Freitag, dem 18. November 1955, fand im Rathaussaal die Festliche Versammlung zur Gründung des Heimat- und Verkehrsvereins Forchheim statt. Die im lokalhistorischen Ambiente stimmungsvoll geschmückte „gute Stube“ der Stadt bot für das Ereignis einen glanzvollen Rahmen […] Die Stirnseite des Saales schmückten, umgeben von frischem Grün, renovierte Zunftstäbe alter Forchheimer Zünfte, symbolhaft für die Aufgabe des neuen Vereins, die heimatlichen Kulturgüter zu pflegen und zu erschließen. Festliche Musikklänge leiteten die Feier ein. Mitglieder der Stadtkapelle spielten Forchheimer Intraden, die bereits vor 100 und mehr Jahren beim Einzug der Zünfte erklungen waren. 

Mit dieser ausführlichen Beschreibung äußerlicher Bedingungen eröffnete das Forchheimer Volksblatt vom 21.11.1955 seinen Bericht über die Gründungsversammlung des Heimatvereins Forchheim[1]. Auch eine nahezu lückenlose Erwähnung prominenter Gäste, die sich zu Fragen der einschlägigen Vereinsaufgaben äußerten, ist dem vorgenannten Pressebericht zu entnehmen: Oberbürgermeister Andreas Steinmetz (Begrüßung), Direktor Bauer, Oberstudiendirektor a. D. Dr. Konrad Kupfer, Oberamtsrichter Dr. Weißenberger und Rechtsrat a. D. Uhl vom Fränkische-Schweiz-Verein (Heimatfragen und Verkehrswesen), Dr. Hans Werner Frhr. v. Aufseß (zur Gründung des Heimat- und Verkehrsvereins Forchheim) und schließlich Hauptlehrer Kaupert (Uraufführung des Forchheimer Heimatfilms [!] Forchheim - Die alte Königsstadt)[2]. 
Gemeinsam mit dem vorbereitenden Ausschuß (Dr. v. Aufseß) hatte die Stadt Forchheim (OB Steinmetz) zu dieser Gründungsversammlung geladen. Im gedruckten Einladungsschreiben, dem ein ebensolches Programm beigegeben war, sind die Vereinsziele zusammengefasst beschrieben: Der Verein soll sich auf gemeinnütziger Grundlage der heimatlichen Kulturgüter, dem Heimat- und Naturschutz sowie der Werbung für die kulturellen Werte der Stadt Forchheim und ihrer Umgebung und der Betreuung ihrer Besucher widmen. Eine Stadt von der Bedeutung Forchheims als Heimstätte einer jahrhundertealten Geschichte, als Eingangspforte zum Fremdenverkehrsgebiet der Fränkischen Schweiz und als wachsende Industriestadt braucht dringend eine zentrale Stelle für die Betreuung all dieser Fragen. Zum ersten Vorsitzenden wurde der Rechtsanwalt Dr. Hans Werner Frhr. v. Aufseß gewählt [3]. 

Zwei Wochen nach der feierlichen Gründung, am 2. Dezember 1955, traf man sich im Hotel National zur ersten Vorstandssitzung. Die Einladung vom 24. November enthielt nachstehende Tagesordnung: 

Anmeldung zum Vereinsregister. 
Wahl des stellvertretenden Vorsitzenden und des Kassiers. 
Besprechung des Arbeitsprogramms. 
Einsetzung von Ausschüssen und Sachbearbeitern. 
Bildung eines engeren Vorstandes. 
Wünsche und Anregungen.[4] 

Zur Erklärung der Tagesordnungspunkte 2 und 5 sei angemerkt, dass bei der Gründungsversammlung am 18. November neben dem ersten Vorsitzenden offenbar lediglich ein pauschales Vorstandsgremium ohne nähere Geschäftsverteilung gewählt wurde. Diese sollte nun gewissermaßen nachgeholt werden, wobei folgende Personalentscheidungen zustande kamen: (Fränkischer Tag Nr. 189 vom 5.12.1955): Zum Zweiten Vorsitzenden wurde Hauptlehrer Max Kaupert und zum Schriftführer Stadtoberinspektor Joseph Amtmann bestimmt. Für das Amt des Kassiers lagen zwei Vorschläge vor; der Vorstand wurde beauftragt, mit den in Aussicht genommenen Personen Verhandlungen aufzunehmen und die Entscheidung in der nächsten Sitzung zu treffen[…] Der Verkehrsausschuß setzt sich zusammen aus den Herren Dr. v. Aufseß, Harbauer, Mayer, Riedel, Scheller, Sitzmann, Dr. Schnapka, StR Schroll und Ing. Waasner. Den Ausschuß für Heimatfragen bilden die Herren Kaupert, Kaplan Martin Kuhn, Dr. Kupfer, Hahn, Arnold Höhne, Schaduz und Dr. Schnapka. Auf Vorschlag der Versammlung wurde der engere Vorstand mit den Herren StR Schneider, Kaplan Kuhn und Riedel ergänzt [5]. 

Weitere Beratungspunkte waren die Durchführung eines Standkonzertes am ersten Weihnachtsfeiertag um 12 Uhr auf dem Rathausplatz, bei dem eine 150 Jahre als Intrade von der Stadtkapelle vorgetragen werden sollte. In diesem Zusammenhang wurde auch die Einkleidung der Stadtkapelle in Anlehnung an alte Forchheimer Trachten angesprochen. Über die verunstaltende Reklame entspann sich […] eine längere Diskussion, die durch eine Wortmeldung von StR Kengelbach hervorgerufen wurde. Wohl existiere zu deren Bekämpfung […] ein Ausschuß bei der Stadt […], der aber noch nie angerufen worden sei. Anträge auf Aufstellung von Reklamen würden dem Stadtbauamt zur Entscheidung vorgelegt [6]. 

Das beschlossene Weihnachtskonzert wurde mit Erfolg realisiert. So berichtete der Fränkische Tag in seiner Ausgabe vom 29. Dezember 1955 (Nr. 202): Großen Anklang fand das weihnachtliche Konzert der Stadtkapelle unter Dirigent Peter Schwalb am ersten Feiertag am Forchheimer Rathausplatz. Zahlreiche Kirchgänger, die von der nahen Martinskirche kamen, nahmen an dem Konzert teil, zu dem sich bereits eine große Anzahl von Musikfreunden eingefunden hatte. Der Heimat- und Verkehrsverein hatte das Konzert arrangiert [7]. 

Hans Werner v. Aufseß führte den Heimatverein Forchheim viereinhalb Jahre lang. Am 3. Mai 1960 legte er in der Mitgliederversammlung im Hotel National das Amt des ersten Vorsitzenden wegen beruflicher Überlastung nieder. Auf Vorschlag der Vorstandschaft wurde einstimmig Rechtsrat [Otto] Werner zu seinem Nachfolger gewählt. Auch der bisherige stellvertretende Vorsitzende Hauptlehrer Kaupert stellt seine Position aus gesundheitlichen Gründen zur Verfügung. Das Amt wurde in zwei Sachgebiete aufgeteilt. Für das Sachgebiet Fremdenverkehr wurde einstimmig [der Hotelier] Karl Riedel gewählt. Eine Besetzung des zweiten Sachgebiets Heimatpflege kam nicht zustande, weshalb die Vorstandschaft ermächtigt wurde, diese Stelle vorläufig durch ein Mitglied der Vorstandschaft verwalten zu lassen [8]. Die einzelnen Tätigkeitsberichte, Dankesworte, Ansprachen und Anregungen zeigen die seinerzeitigen Hauptanliegen des Heimatvereins, unter denen offenkundig die Pflege und Intensivierung des Fremdenverkehrs ein vorrangiges Element darstellte. Der scheidende Vorsitzende v. Aufseß hob denn auch die Einrichtung eines Verkehrsbüros und die erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Kreisstelle des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes in seinem Jahresrückblick eigens hervor. Mutmaßlich ebenfalls aus einem touristischen Interesse heraus wurde eine Modernisierung der Beleuchtungsanlage zur Anstrahlung des Rathauses und die Anstrahlung der Kaiserpfalz beantragt. Im Jahr 1959 führte der Heimatverein für Reisegesellschaften, Schulen und Kongreßteilnehmer 18 Stadtführungen durch. Aus den von der Stadt Forchheim gewährten Zuschussmitteln wurden rund 2.600 DM […] für Werbeanzeigen in Nord- und Westdeutschland ausgegeben. Aufmerksam wurden Anmeldungen und Buchungen von Reisegruppen, z.B. aus Frankfurt a. Main, Hamburg, Wiesbaden oder den Niederlanden, registriert [9]. 

Otto Werner stand 34 Jahre an der Spitze des Heimatvereins. Nachdem die Aufgaben Fremdenverkehr und Stadtführungen nach und nach kommunalisiert wurden, konnte sich der Verein verstärkt der Denkmal- und Geschichtspflege widmen. Eine engagierte Unterstützung fand Otto Werner in seinem Stellvertreter, dem Gymnasiallehrer Max Schleifer, der zugleich als städtischer Heimatpfleger fungierte. Als Leiter des Rechts- und Wirtschaftsförderungsamtes der Stadt Forchheim verfügte Werner über ausgezeichnete Kontakte zu örtlichen Betrieben, Handel und Gewerbe, die er auch für eine erhöhte Spendenbereitschaft gegenüber dem Heimatverein nutzte. Die heute unter dem Begriff „Sponsoring“ weit verbreiteten Finanzierungsstrategien bei kulturellen und anderen öffentlichen Projekten wurden seitens des Heimatvereins bereits in den 1960er Jahren praktiziert. Viele Renovierungs- bzw. Restaurierungsvorhaben konnten so unterstützt oder überhaupt erst ermöglicht werden. Wichtige Objekte des historischen Forchheims, wie etwa Teile der Festung und der Kaiserpfalz, wurden auf Initiative von Otto Werner und Max Schleifer durch die Stadt freigelegt und optisch besser präsentiert. Die Altstadtsanierung, vom Heimatverein stets mit kritisch-konstruktiver Aufmerksamkeit begleitet, gestaltete sich für Forchheim in der Wahrnehmung von außen wie von innen zu einer wahren Erfolgsgeschichte. Die alljährliche Ausrichtung des Blumenschmuckwettbewerbes und des großen Annafestzuges (alle fünf Jahre) setzten wichtige Akzente für die Denkmal- und Brauchtumsstadt Forchheim sowie im Prozess einer bürgerlichen Selbstvergewisserung. Die im Jahr 1991 als festgebundene Reprints erfolgten Neuauflagen der Zeitschriften Der Königshof (Heimatgeschichtliches Beiblatt zur „Forchheimer Zeitung“. Jahrgänge 1928 bis 1931, herausgegeben von Anton Karnbaum) und Der fränkische Schatzgräber (Heimatkundliche Beilage zum „Forchheimer Tagblatt“. Jahrgänge 1923 bis 1928 [Band I] und 1929 bis 1935 [Band II], herausgegeben von Karl Sitzmann) trugen dem lokalhistorischen Erinnerungswunsch Rechnung und setzten den Heimatverein in die Nachfolge des erloschenen Historischen Vereins Forchheim. In der Mitgliederversammlung vom April 1994 erklärten Otto Werner und Max Schleifer ihren Rückzug aus der vordersten Phalanx des Heimatvereins und empfahlen mit dem städtischen Kulturbeauftragten Dieter George und der städtischen Museumsleiterin Susanne Fischer jeweils jüngere Nachfolger [10]. 

-------------------------------------------------
[1] Stadtarchiv Forchheim, Chronik Teil IX 23.3 (Original-Zeitungsausschnitt. 
[2] Ebenda mit Original-Einladung und -Programm. 
[3] Ebenda. 
[4] Ebenda, Original-Einladung. 
[5] Ebenda, Original-Presseausschnitt. 
[6] Ebenda mit Original-Presseausschnitt des Forchheimer Volksblatts Nr. 107 vom 5.12.1955. 
[7] Ebenda, Original-Presseausschnitt. 
[8] Ebenda, Original-Presseausschnitte Fränkischer Tag und Forchheimer Volksblatt, jeweils Nr. 104 vom 5.5.1960. 
[9] Ebenda (Forchheimer Volksblatt). 
[10] Vgl. ebenda, Pressebericht (in Kopie) Fränkischer Tag Nr. 91 vom 21.4.1994. Zahlreiche Aktivitäten des Heimatvereins in den 1990er Jahren sind dem Verfasser persönlich in Erinnerung. Zu den bibliographischen Angaben bezüglich Königshof und Schatzgräber s. die Titeleien der im obigen Text genannten Reprint-Ausgaben.
---------------------------------------------------